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PANEL Online, Ausgabe eins, Mrz 2006

"Weil die Musik einfach weiterspielt,
da kann man sich drauf verlassen."

Ein Interview mit Klaus Cornfield

von Bert Dahlmann

PANEL: Bei "Throw That Beat in the Garbagecan!" stand ein Song der B 52's als Namengeber Pate. Wie kam es jetzt zu "KATZE"?

Klaus Cornfield: Wir spielten schon ein paar Mal im Proberaum zusammen als uns eine Gelegenheit zuflog aufzutreten. da man ohne Namen aber nicht auftreten kann, sagte jemand nach langem rumdiskutieren: "Ist doch echt egal, nennen wir die Band Haus oder Hund oder sonst wie", worauf Minki erwiderte: "Hunde finde ich doof, Katzen sind gut." Da war er, einfach so. Und zum Glück gab es nicht viel Zeit zu überlegen. Im Nachhinein bin ich sehr froh damit, denn er zaubert sofort allen ein Lächeln auf die Lippen ohne witzig zu sein.

PANEL: Stimmt! Ging ein paar Freunden von mir genauso, auch wenn die singuläre Form - immerhin sind ja mehrere Leute in der Band - nicht ganz schlüssig ist.
Mal abgesehen von der schicken EP vor (hm) gut 2 Jahren ist das neue Album Euer Debüt als Band?

Klaus: Kann man wirklich so sagen. Uns war damals bei der Splitsingle mit "Locas In Love" im Grunde klar das man damit nur so eine Art Stimmung erzeugen kann. Denn erstens rennt heutzutage kaum noch einer in den Laden um sich ’ne Platte zu kaufen und andererseits hat die Bevölkerung sowieso kaum noch Plattenspieler zu Hause. Außerdem haben sich Katze kurz vor den Aufnahmen ein weiteres Mal entschlackt und sind endgültig zum Trio geworden. Uns hat selber ein wenig gewundert wie rund sich das anfühlt.

PANEL: Mit Katze- EP meinte ich eigentlich die "Play More Krautpop!", ist die eigentlich offiziell erschienen?

Klaus: Nein, die konnte man nur bei uns bestellen, Selbstgebrannte. Etwa 400 Stück sind da gemacht worden im Laufe der Zeit. Die meisten wurden an Veranstalter geschickt oder direkt nach dem Konzert verkauft. Die gibt’s jetzt nicht mehr, denn die ganzen Stücke darauf sind auf der neuen CD auch drauf und klingen viel besser.

PANEL: Dann habe ich wohl eine der ganz wenigen richtigen Rezensionen der EP in der limit veröffentlicht ;-)

Klaus: Kann sein, ich kenne nur eine Handvoll.

PANEL: Wie kam es denn zu dieser "Entschlackung" und wann war Euch klar, dass ihr zu Dritt am Besten klarkommt?

Klaus: Soll ich ehrlich sein?

PANEL: Sonst würde ich kaum fragen!

Klaus: Das fing schon mit unserem ersten Trommler an. der kam meistens gar nicht zu den Proben, auch wenn man noch kurz vorher mit ihm telefoniert hatte. Da hat schon der erste Gitarist das Handtuch geschmissen. später ab dem zweiten Trommler haben wir zu verschiedenen Auftritten immer mal wieder Gitaristen ausprobiert. wir hatten eigentlich nix zu meckern, aber die fühlten sich mit der Zeit etwas überflüssig. Die Musik wurde durch die Zweitgitarre einen Tick zu poppig und das fanden sie selber nicht gut. Das ging Simon Cleeve (Wedding Present, Cinerama) so, und auch Savvas Pavlides .Die Sachen die mich an ihrem Spiel am Meisten beeindruckten und die ich selber rausfinden konnte, habe ich teilweise übernommen, insofern finde ich es einen Riesengewinn mit ihnen gespielt zu haben. Mit dem Bassisten gab nach drei tollen Jahren so schlimme Reibereien, dass er in diversen Wutanfällen (längst vorüber - Gott sei dank!) uns sogar zu verklagen gedroht hat, wenn wir auch nur einen Ton spielen den er auf dem Bass gemacht hat. Als Moses Schneider im Juli 2004 bei der Generalprobe zum Album dann sagte: „Wir machen das so, ohne Bass“, waren wir erst irritiert und dann stolz. Wir balancieren seitdem Minkis Zuckergussmelodien viel weiter in den Vordergrund, wo sie plötzlich sogar so was wie Schubkraft entwickelten. Anstatt - wie früher - so als kleiner Schmuck an der Seite mitzududeln. Da wussten wir dann auch, dass wir uns gar keinen Bassisten mehr suchen würden.

PANEL: Es musste also erst einiges schief gehen, bevor ihr gemerkt habt, wo Eure Stärken liegen. Bislang gab's von Dir nur Englischsprachiges zu hören, nicht zuletzt, weil die deutsche Sprache so sperrig sei, wir Du mir mal gesagt hast. Doch jetzt gibt's auf einmal deutsche Songs von Dir. Hast Du mittlerweile einfach mehr (genug) Erfahrung, um auch deutsch zu texten, oder woran liegt das?

Klaus: Das mit den deutschen Stücken fing sogar schon zu "TTBITG"-Zeiten an. Es war leider damals noch nicht genug, um ein ganzes Album zu füllen. ich persönlich habe auch schon sehr lange deutschsingende Lieblingsbands, wie "Viktoriapark" und "Fink" und nicht zuletzt die "Sportfreunde" und "Tocotronic". Meine ersten deutschen Texte entstanden meist aus einer Laune heraus. mal hier ein spontanes Lied zum Geburtstag oder Songs für eine meiner Comicfiguren wie "Akne Jürgen" oder "Fou-Fou + HaHa". Was mir vor allem gefällt, ist, wie die Worte dem Hörer ins Gesicht springen wenn sie in der Sprache sind in der man seine Gespräche führt und Gedanken denkt. Hier kann mir auch keiner sagen: "Höhö, so spricht man das aber nicht aus ...“. Ich kann sogar anfangen zu nölen wie ich Lust habe, denn ich weiß wie ich nölen muss, damit man mich trotzdem noch versteht.
Das Texteausdenken ist dasselbe wie im Englischen, man hat einen super Anfangssatz und probiert rum wie es weitergehen könnte, schiebt einen Satz an eine andere Stelle oder tauscht Schlüsselworte aus bis sich was drauf ergibt, dass Sinn macht und sich reimt. Das klingt so leicht wie es ist, dauert manchmal allerdings ein paar Jahre lang.

PANEL: Also definitiv kein Versuch, sich der neuen Neuen Deutschen Welle (Wir sind Helden, Juli, Silbermond...) anzuschließen?

Klaus: Ich habe schon gespürt, dass die deutschen Bands schwer im kommen sind, aber das stört mich nur wenig, denn ich lebe sowieso auf meinem eigenen Planeten. Es muss schon so ein großer Hit sein, dass er als Hintergundbeschallung meiner schlechtbestückten Videothek gegenüber dient, bis ich höre, was in den Charts läuft. Radio läuft bei mir niemals, dazu sind allein die Jingles und die Werbung schon viel zu nervig. In besagter Videothek habe ich übrigens zum ersten Mal vor einem halben Jahr "Ich will doch nur spielen" gehört und weiß also schon, was du ansprichst. Ich hoffe nur, das Mädchen lässt sich da nicht irgendwie..."benutzen" und weint dann bittere Krokodilstränen wenn sie später wieder ausgespuckt wird von ihrem "Produzententeam". Ansonsten zitiere ich gerne Nena, die gesagt hat "Oooochmönsch..., ich weiß gar nicht warum immer so auf die rumgehackt werden tut, lass die doch machen, die sind doch voll süß, ist doch besser als sich Schüsse zu setzen oder wählen zu gehen, kicher, pruuust,hüstel, ohdah?" (ohne gewähr - habe ich aus dem Gedächtnis zitiert)

PANEL: Auffällig ist dabei halt vor allem, dass das unabhängig von den großen Plattenfirmen passierte. Fast 20 Jahre hat außer alten Deutsch-Rock-Heroen und Schlager-Untoten kein Schwein deutsch gesungen, und auf einmal stürmen junge deutschsprachige Bands die Charts und verkaufen sich wie "geschnitten Brot".

Klaus: Vielleicht liegt es wirklich daran das es den Hörer einfach direkter anspricht. die Bands haben ja auch 'ne Menge zu sagen. Manche brauchen ja ein DIN A2-Poster für die Texte, soviel haben sie zu sagen ... .Ich werde nur etwas ungeduldig wenn ich das Gefühl bekomme jemand singt uns hier einfach die letzte Zeitung vor, da kann ich drauf verzichten.

PANEL: Was das angeht, so gibt's dafür dann ja auch die alte Zusammenfassung von Trio ("Da da da").
Was mir nur auffällt ist, dass hier wieder mal ein Trend abseits der (stetig klagenden und jammernden) Major-Label passierte. Völlig unbeeinflusst vom Stöhnen ob des privaten CD-Brennens und jenseits von Slogans wie "Copy kills Music".

Klaus: Weil die Musik einfach weiterspielt, da kann man sich drauf verlassen. Das Zuhause-Rumgefrikkel, weil man kein Geld fürs Tonstudio mehr bekommen kann zum Beispiel. das hat eine totale Stilexplosion hervorgebracht. Eigentlich zu schön, um wahr zu sein. Irgendwie habe ich aber auch das Gefühl, dass die ganz jungen Gitarristen sich viel leichter tun. die hauen da Dinger raus, dass mir manchmal die Ohren wegfliegen. Ich habe schon oft vor einem Übungsraum gestanden und mich gefragt, was das für ein cooler, abgewichster, gauloiserauchender Schweinepriester sein muss, der da gerade die Gitarre malträtiert, und dann kamen kleine Jungs mit Baseballkäppi und weißen Sportsocken da raus und faselten was vom Abitur. Über Nachschub brauchen wir uns keine Sorgen machen, denke ich.

PANEL: "Musik kann eine Brücke bauen" um einen klassischen deutschen Schlager zu zitieren, nicht nur zwischen den Kulturen, sondern wohl auch zwischen den Regionen und Generationen.

Klaus: Aber nicht zwischen befeindeten Gangsta-Rappern, da zählt dann doch die Qualität der Panzerweste mehr.

PANEL: Oder aber die Durchschlagskraft der jeweiligen Zimmerflak. Aber, Scherz beiseite, in Berlin scheinen diese Snoop Dog- und Bodycount-Verschnitte ja ziemlich angesagt zu sein.

Klaus: Musik für harte Männer wird doch immer gemacht und gehört. Selbst ich finde so manches Stück total geil, obwohl es der Soundtrack zu einem Kettensägenmassaker sein könnte. Eine gewisse Komik kann ich dem ganzen auch nicht absprechen. Das habe ich auch mit Ferris mal erlebt. Ich bat ihn ein Stück für mich zu rappen als "Sir Angry", den Text haben wir dann zusammen geschrieben, an zwei Nachmittagen. Das klappte super und machte auch richtig Spass. Da es eine Persiflage sein sollte, haben wir das ganze so weit getrieben, dass es sich hinten selber wieder aufgefressen hat. Einfach ekelhaft und gemein. Todesmutig hat er es aber als Hidden Track auf seine Platte gemacht. Ich bin sicher, das ist der Renner in den Gefängnissen und Bundeswehrkantinen. Los Ferris, fass!

PANEL: Ja, das ist die Gefahr bei solchen ironischen Sachen, dass ein paar Intelligenzbestien da nicht mehr mitkommen. Wobei, wenn ich mir Ferris und Dich so bildlich auf der Bühne vorstelle ..., sollte eigentlich auch der größte Depp kapieren, dass ihr eigentlich ganz lieb seid und nur spielen wollt.

Klaus: Du hast mich halt noch nie wütend erlebt...

PANEL: ... nein, immer nur privat an der Theke oder aber live und voller Power auf der Bühne. Musik ist also nicht zuletzt so was wie ein "kreatives Ventil" für Dich?

Klaus: Wenn ich längere Zeit nicht rumklimpere oder mit Band spiele, fehlt es mir. Ich habe angefangen mit meiner ersten Band, als ich kaum zwei Griffe konnte. Zur Not reichen die sogar heute noch, ohne dass ich das Gefühl habe, stehen geblieben oder ignorant zu sein. Beim Musikmachen greift man unbewusst auf tausend Dinge zurück und schreibt sogar eine Art Tagebuch dabei, ohne es zu wissen. Ich habe auch mal gehört, dass das Hören der eigenen Stimme die Nerven beruhigt und musste gerade an "Monta" denken. Der Tobi würde wahrscheinlich mit weit aufgerissenen Augen durch die Strassen rennen und Schlägereien provozieren, wenn er nicht singen dürfte. Außerdem finde ich, dass es diesen wunderbaren Moment, wo man Gänsehaut kriegt von einem Lied, nicht woanders gibt, in keiner Kunstform sonst. Ansonsten brauchst du jemanden Tolles fürs Bett oder ein sehr teures Fortbewegungsmittel, um da gefühlsmäßig ranzukommen.

PANEL: Also auch ein "Getriebener". Ich hatte immer das Gefühl, wenn ich Dich live spielen sah (mit TTBITG, vor allem aber Solo), dass Du auf der Bühne tatsächlich ein anderer Mensch, in einem anderen Film warst. Wie ist das jetzt mit Katze, „schwebst“ Du da auch?

Klaus: Wenn‘s losgeht, fühle ich mich wohl. Da habe ich eine sehr simple und sauschwierige Aufgabe zugleich, die mich voll einnimmt: "spiel‘ das Lied so gut wie du nur kannst und halte die Leute in Schach". Wenn auch so mancher Gag zwischen den Stücken oder die Witzigkeit einzelner Lieder davon ablenken, im Grunde nehme ich das sehr ernst. Bei jedem Stück fühle ich mich wie ein etwas anderer Mensch. Wenn ich mich verliebt habe schwebt immer so ein besserer Klaus über mir, bestimmt kennst du das Gefühl. Ganz ähnlich funktioniert das, glaube ich, beim Singen. Da gibt es viele Persönlichkeiten bei KATZE, meistens hoffnungsvolle Verlierer, die in Schönheit sterben. Das „Schweben“, das du festgestellt hast, könnte aber auch von Cannabispflanzen oder zwei Bier gekommen sein.

PANEL: Nein, ich meine nicht, dass Du stoned oder angedüdelt bist. Ich wollte auch keinesfalls unterstellen, dass Du die Sache nicht ernst nimmst, dafür erinnere ich mich noch viel zu gut an die Tour, als Du Dir am ersten Tag das Schlüsselbein gebrochen hast und trotzdem jeden Abend aufgetreten bist und durchgepowert hast. Ich weiß also, wie wichtig Dir Live-Auftritte sind. Wie sehen das Deine Mit-Katzen?

Klaus: Ich weiß, dass beide sehr gerne auftreten und voll bei der Sache sind, wenn wir losrumpeln. Philosophiert darüber haben wir selten miteinander. Ich denke, auf eine stillschweigende Art sind wir uns einig darüber, was wir machen. Wir reden meistens über fehlendes Equipment und wer das Geld für die Tankfüllung auslegen kann. Wie wichtig Minki das ganze ist, sieht man daran, dass wir als Band sogar unsere Trennung als Pärchen wegstecken konnten. Seitdem klappt das Zwischenmenschliche sogar besser. Wie wichtig Minki für KATZE ist, sieht man wiederum daran, dass ich nach Berlin gezogen bin, weil Minki gerne auf eine bestimmte Uni gehen wollte. Ich habe es aber noch keine Sekunde bereut, muss ich zugeben.

PANEL: Naja, so groß dürfte die Umstellung von Köln nach Berlin ja auch nicht sein. Wesentlich schwieriger stelle ich mir da das Verlassen des „fränkischen Bermuda-Dreiecks“ vor, wo Du als „Local Hero“ mit Throw That Beat ja auch immer jeden Laden gerockt hast.

Klaus: ich liebe meine Fürther Heimat, aber als Local Hero würde ich mich seit 1987 nicht mehr bezeichnen. Im Gegenteil, größer wurden wir nur durch lange Autofahrten, auch wenn Nürnberg was Besonderes bleibt. Da gibt es Leute die unseren allerersten Auftritt gesehen haben, als Throw That Beat; hehe, die Armen! Ich bin auch sicher, dass ich dort irgendwann wieder hingehe. Meine Familie wohnt in Nürnberg und meine Schwester mit ihren 500 Kindern ... und meine Freunde! Diese Art Menschenschlag gibt’s nirgendwo sonst (höchstens vielleicht in Wales noch...). Abweisend, brummelig und herzensgut. Das mag ich so an meinen Franken. Meine Familie kommt aus völlig versprengten Verhältnissen. Seit dem Krieg verschlug es uns von Peru nach Holland, Köln, Nürnberg. Irgendwie waren wir nie richtig zuhause. Irgendwie hibbelig. Als ich in Fürth Leute kennen lernte, die Sonntags wandern gehen und die richtigen Akzent sprechen, fand ich das sehr anheimelnd. Mit dieser Mentalität, die man teilweise spürt, lassen sich auch die schlimmsten Katastrophen locker wegstecken. So nach dem Motto: "Was soll’s, ich muss eh’ eschmal brunnsen ...!"

PANEL: "Brunnsen"?

Klaus: Das habe ich mich zuerst auch gefragt!

PANEL: Und???

Klaus: Na, sich erleichtern, pinkeln gehen.

PANEL: Aha! Zugegeben ein wichtige Sache. Gibt es da entsprechende Einflüsse auf den Humor Deiner Comix? "Fou Fou & Haha" bewegen sich da ja häufig unter der Gürtellinie - "Kranke Comx" eben?

Klaus: Mit Nürnberg hat das wiederum nicht viel zu tun. Diese kleine Westentaschenrebellion gegen den guten Geschmack muss ich schon auf meine Kappe nehmen.

PANEL: Dann hast Du ja einiges am Hut. Immerhin machst Du diese schrägen Comix nun ja auch schon einige Zeit. Mittlerweile gibt's ja sogar 'nen regelmäßigen Katze-Strip.

Klaus: Das ist das Neueste. Kranke Comics wurde schon länger nicht mehr fortgeführt, was mir auch herzlich leid tut. Ich plane jedoch einen Sammelband mit sehr viel Extramaterial vom Feinsten. Mit den Katzestrips habe ich erst mal angefangen, um die Band im Gerede zu halten, ohne das wir teure Anzeigen schalten müssten. Das war erst ganz unschuldig dahingekritzelt, bis ich merkte wie cool Minkis Löckchen so mit der Feder gezeichnet aussehen. Am liebsten würde ich eine Serie nur über ihre Haare machen. Seitdem macht’s sehr viel Freude, vor allem die Reaktionen in der Band selber. Ich denke, wenn wir bald auf Tour gehen entsteht der zweite Band ganz von selber. Der erste erscheint bei Schwarzer Turm im September (2005). So im Piccoloformat in schwarz/weiß/pink.

PANEL: Dann kannst Du auf der Tour ja neben den Alben auch Comix signieren. Machst Du eigentlich noch Trickfilme?

Klaus: Gerade ist einer für "Größter Anhänger" in Arbeit. Sehr einfach und lustig. Zum September dürfte er fertig und runterladbar sein auf unserer Homepage. Timid Tiger haben auch schon angedacht, einen zu machen, aber die Plattenfirma zögert noch, denn es gibt im Moment sehr wenige Sender, die Videos spielen, wie wir alle wissen. Kleinere Animationen mache ich immer mal wieder, leider braucht man für die aufwändigeren Projekte große Rechner und ein paar Fachleute, ansonsten würde ich viel öfters einen drehen.

PANEL: Schade, aber das ist vielleicht ein Nachteil bei kleinen Independent-Labels - das kleine Budget.

Klaus: Ich bin eigentlich ganz zuversichtlich, was das angeht. Katze zumindest haben viel Glück gehabt, wir wurden erst mal fett aufgenommen und noch fetter abgemischt und danach wurden kleine Gesellschaften und GBRs gegründet und sehr gute Verträge entworfen. Fast ohne Geld zu verbrauchen. Transporterraumproduktion haben vor, richtig ernst zu machen, und es ist toll, wie sich alle reinhängen und Pläne schmieden. Ich könnte mir vorstellen, dass aus der Not gerade viele solche Dinge laufen. Für uns ist zumindest eine rundum perfekte Platte entstanden, vielleicht sogar ein bisschen durch den Zeitdruck dem wir ausgesetzt waren.

PANEL: Du kennst ja beides. Die fetten Etats der Majors aus TTBITG-Zeiten, und jetzt arbeitest Du mit What's So Funny About. Wo siehst Du da die Vor- und Nachteile?

Klaus: Kein Geld bedeutet viel Zeitdruck beim Schallplattenmachen. Wir haben unser Zeug zum Glück einige Jahre auf den schäbigsten Bühnen - dass wir uns nicht falsch verstehen: das sind die besten! - rauf und runtergespielt. Dabei lernt man am meisten über die Stücke, und seine eigenen Fähigkeiten oder Schwächen. Musikalisch fand ich es großartig, die Platte dann blitzschnell auf’s Band zu peitschen. Vertriebstechnisch könnte sich unter bestimmten Umständen sogar mal eine Zusammenarbeit mit einem Major ergeben. Außerdem: Ich mochte unsere EMI-Crew zum Beispiel, habe überhaupt keine traumatischen Erlebnisse gehabt. Oder doch, Moment da war doch was...

PANEL: ... kannst Du Näheres Dazu sagen?

Klaus: Naja, am Ende hat mir nicht gefallen den Spruch zu hören: "Irgendwie sehen wir keine Single!“ Aber wer hört das schon gerne, wenn er denkt gerade 15 Singles aufgenommen zu haben. Heute sehe ich das weniger streng und ich finde sie haben im Großen und Ganzen eine Menge Geld in uns gesteckt, nicht immer sinnvoll, aber wirklich großzügig. Alleine die Videoetats waren schon riesig. Und sie haben uns nie in die Musik oder ins Artwork reingeredet, oder sagen wir in 6 Jahren nur einmal. Das meinte ich mit "Da war doch was". Es gab zumindest ein Stockwerk im großen EMI-Gebäude, das uns sehr mochte und wo wir ordentlich auf dem Tisch tanzen konnten.

PANEL: Also nichts wahrhaft Traumatisches? Heute veröffentlichst Du beim Kultlabel ZickZack / What's So Funny About, und als einzige beständige Konstante taucht neben Dir dabei immer noch Dein Verlag Scoop (also Martin Propp) auf.

Klaus: Den Martin Propp kenne ich schon, seit wir zur EMI sind, sogar eine Woche länger. Der hat uns damals genial behütet und das tut er auch heute noch. Dank ihm habe ich noch nie was Falsches unterschrieben, das ist ein wenig mehr, als ein herkömmlicher Verleger machen müsste.

PANEL: Ich würde sogar behaupten, das ist heutzutage (obwohl: War es früher wirklich besser?) eher die große Ausnahme.

Klaus: Stimmt!

PANEL: Was mich noch interessieren würde: Warum heißt Euer Debüt "...von Hinten!"? Wollt Ihr damit andeuten, dass Ihr die (Musik-) Szene von hinten/unten aufrollt oder wie ist das zu verstehen?

Klaus: Irgendwas geht auch bei der besten Platte schief. Das einzige, über das wir uns erst ganz zum Schluss Gedanken gemacht haben, war der Titel fürs Album. Da waren die Mädels mal 5 Minuten draußen und schon hat Moses "von hinten...!" auf die Pappschachtel vom Tonband gekritzelt, hehe. Wie Jungs halt so sind. War natürlich nur aus Scheiß, aber irgendwie haben wir ihn behalten, denn 1. kam kein besserer, und 2. fiel mir auf, dass unsere Musik sich oft so verhält, als würde sie dich von hinten anspringen. Ich liebe es auch, wenn Katzen im Gebüsch sitzen und streng gucken, kurz mit dem Arsch wackeln und dann auf irgendeine Mücke losschießen. Das wir im Moment den "Indierockbetrieb" von hinten aufrollen, das passt natürlich auch wunderbar. Ich glaube, für viele Leute ist unser Debüt ein Riesenschock. Bis jetzt sind die Reaktionen auch wirklich extrem. Ich wusste nicht, dass unsere Stimmen so durchgeknallt klingen, aber das sagen wirklich alle. Egal, ob sie uns abgöttisch lieben oder hassen wie die Pest. Im Moment hassen uns etwa 10 Prozent der Journalisten mit ebenso großer Leidenschaft, wie uns die anderen mögen. Ich kann noch gar nicht ganz glauben, was ich im Moment immer zu lesen bekomme.

PANEL: Doch, doch! Ist schon ein sehr (!!!) schickes Album!

Das Interview entstand im Spätsommer 2005 per E-Mail.
(gekürzte Fassungen erschienen u.a. in der „Westzeit“ und in der „limit“)

Zeichnungen: Klaus Cornfield
Fotos: BillY & Hells

Klaus Cornfield im Netz:

www.klaus-cornfield.de

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